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Hantavirus-Epidemie in Baden-Württemberg auf Rekordniveau

Der Geschäftsbereich Gesundheit empfiehlt Staubschutz bei Arbeiten - Kontakt mit Mäusekot und dessen Staub sollte vermieden werden

 

Mit landesweit 436 Fällen bis zum 8. Juni wurden für das Jahr 2007 bereits mehr Hantavirus-Fälle gemeldet als im gesamten bisherigen Spitzenjahr 2002 mit 169 Fällen.

Zwar ist im Rems-Murr-Kreis dieses Jahr erst eine Hantavirus-Erkrankung diagnostiziert worden, es kann jedoch eine mögliche höhere Dunkelziffer vermutet werden. Außerdem grenzt der Landkreis im Süden und im Osten an Gebiete, in denen weitaus höhere Erkrankungsraten aufgetreten sind. Im Landesgesundheitsamt im Regierungspräsidium Stuttgart befürchtet man, dass die Häufigkeitszunahme weiter anhält. Der Geschäftsbereich Gesundheit im Landratsamt empfiehlt gezielte Schutzmassnahmen bei Tätigkeiten, die mit einem Kontakt mit Rötelmäusen oder deren Ausscheidungen einher gehen können.

 

Leichte Hantavirus-Erkrankungen verlaufen ähnlich wie Grippe mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. In schweren Fällen kann es zu Nierenversagen kommen. Bei dem gegenwärtigen Ausbruch verläuft jeder zweite Erkrankungsfall so schwer, dass ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist.

 

Die meisten Hantavirus-Erkrankungen werden aus Regionen mit Buchenwäldern gemeldet. Buchenwälder sind der bevorzugte Lebensraum der Rötelmaus (Myodes glareolus) oder auch Waldwühlmaus. Diese Wühlmausart ist bei uns der wichtigste Überträger von Hantaviren. Die Hantaviren werden von den Rötelmäusen mit Kot und Urin ausgeschieden und können auch in den eingetrockneten Ausscheidungen über Tage und sogar Wochen ansteckend bleiben. Wenn erregerhaltiger Staub aufgewirbelt und eingeatmet wird, können die Hantaviren über die Schleimhäute den Weg in den Körper finden und es kann zu einer Ansteckung kommen.

 

Nach bisherigen Erkenntnissen besteht ein besonderes Ansteckungsrisiko

·         beim Umschichten von Holzstapeln,

·         bei Kontakt mit Mäusen oder mit deren Ausscheidungen, etwa beim Arbeiten, Wandern oder Zelten,

·         beim Aufenthalt oder bei Reinigungsarbeiten in Gartenhäuschen, Waldhütten oder Schuppen, insbesondere bei Staub erzeugenden Tätigkeiten wie Ausfegen

·         bei der Reinigung, beim Auf- oder Umräumen von Dachböden, Garagen und Kellern waldnaher Häuser.

 

Der Geschäftsbereich Gesundheit empfiehlt deshalb bei solchen mit Staubentwicklung verbundenen Tätigkeiten folgende vorsorglichen Schutzmaßnahmen:

·         Tragen einer Feinstaubmaske der Schutzklasse FFP1 zum Mund-Nasen-Schutz; solche Feinstaubmasken erhält man beispielsweise in Baumärkten.

·         Tragen von Einmalhandschuhen und einer Schutzbrille, da im Staub enthaltene Viren auch über die Augenschleimhäute in den Körper eindringen können.

·         Wo möglich, Verminderung der Staubentwicklung durch Befeuchten der Oberflächen von Böden, Regalen usw.

·         Mäusekadaver und Exkremente vor der Entsorgung mit handelsüblichem Desinfektionsmittel benetzen.

 

Eine Impfung gegen Hantavirusinfektionen gibt es nicht. Zur Klärung weiterer möglicher Übertragungswege und Risikofaktoren sowie zur Untersuchung möglicher Ursachen für das jahreszeitlich frühe und gehäufte Auftreten von Hantavirus-Erkrankungen in Baden-Württemberg werden im Landesgesundheitsamt derzeit verschiedene Studien durchgeführt.