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Rekonstruierter Wachturm bei Grab |
Das UNESCO World Heritage Committee hat in seiner Sitzung am 14. Juli 2005 in Durban (Südafrika) den obergermanischen Limes in die Unesco-Liste der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Welt aufgenommen.
Landrat Johannes Fuchs zeigte sich begeistert, als er die gute Nachricht aus Durban erfuhr. „Wir sind stolz auf unser großes historisches Erbe im Rems-Murr-Kreis. Wir wollen es jetzt den Menschen national und international näher bringen“, so Landrat Johannes Fuchs in einer ersten Stellungnahme. „Positive Impulse erwartete ich vor allem für den Tourismus im Schwäbischen Wald. Insbesondere in Alfdorf, Welzheim, Murrhardt und Grab können die noch vorhandenen Zeugen der Vergangenheit vor Ort erlebt werden“.
Der Limes ist heute eine bemerkenswerte Linie in der Landschaft, auf der einst der römische Befestigungswall stand. Er wird durch die Entscheidung der UNESCO zu einem neuen Markenzeichen für den Rems-Murr-Kreis. Auf einer Länge von insgesamt rund 32 Kilometern verläuft das neue Welterbe durch den Rems-Murr-Kreis. Einen besonders guten Eindruck vom Verlauf des Limes erhält der Besucher an der Rekonstruktion des Limesturmes in Großerlach-Grab. Vom Gasthaus Rössle in Grab, wo einst ebenfalls ein Wachturm stand, bis hoch zum rekonstruierten Wachturm, wurde jetzt eine Schneise durch den Wald gelegt. Sie gibt den Blick frei auf den schnurgeraden Limesverlauf. Bei Kaisersbach am Spatzenhof markiert ein konservierter und rekonstruierter Turmrest den mit 561 Metern höchsten Punkt am vorderen Limes.
Der obergermanisch-rätische Limes erstreckt sich in Deutschland auf einer Länge von insgesamt 550 km vom Rhein bis an die Donau. Er hat bis zum Jahr 260 n. Chr. die äußere Grenze des Imperium Romanum in Mitteleuropa markiert. „Der heute aus der Luft vor allem im Bereich des Haghofs im Relief noch gut wahrnehmbare Verlauf der römischen Befestigungsanlagen ist ein besonders eindrucksvolles Zeugnis unserer eigenen Geschichte“, so Landrat Fuchs. „So eindrucksvoll, dass sich unsere Vorfahren einst Wall und Graben nur als von Teufelshand geschaffen vorstellen konnten.“
Führer bieten im Rems-Murr-Kreis sachkundige Limes-Exkursionen und Führungen an. Die gut geschulten Experten heißen nach bestandener Prüfung Limes-Cicerones und sind durch ständige Weiterbildung auf dem neuesten Stand der Forschung. Zeitgerecht und anschaulich wird der Limes so nicht nur für kulturinteressierte Normalbürger zum Erlebnis. Bei Bedarf kann eine Führung auch stilgerecht in lateinischer Sprache oder als Exkursion bei Nacht organisiert werden. Benannt sind die Limes-Cicerones nach dem römischen Staatsmann Marcus Tullius Cicero.
Ein Schwerpunkt der Limes-Aktivitäten im Rems-Murr-Kreis ist die Limesstadt Welzheim im Schwäbischen Wald. Das dort ansässige Limesgymnasium, eine Kastell-Realschule und der Historische Verein erhalten durch das neue Weltkulturerbe eine beachtliche Aufwertung. In Welzheim ist auf dem Gelände des Ostkastells bereits ein archäologischer Park entstanden. Auch die Bürgerinnen und Bürger sind von der Limes-Begeisterung bereits infiziert. Schon vor zwei Jahren wurde bei den ersten „Welzheimer Römertagen“ historisch gefeiert. Viele Mitwirkende und Besucher trugen römische Kleider wie Tunica und Toga sowie nachgebaute römische Rüstungen.
„Die Auszeichnung des Limes als Weltkulturerbe verpflichtet uns, den aktuellen Erhaltungszustand zusammen mit den Fachleuten zu dokumentieren und das vorhandene archäologische Kulturdenkmal möglichst gut für die Nachwelt zu erhalten“, so der Landrat. „Gleichzeitig wollen wir unser großes kulturelles Erbe auch heute lebendig erhalten und erlebbar machen. Dazu haben wir als erster Landkreis am Limes in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege den Limes nach den Vorgaben der Deutschen Limeskommission ausgeschildert und als erste am Limes in Kooperation mit dem Ostalbkreis und dem Archäologischen Landesmuseum die Limes-Cicerones ausgebildet.“
Auch mit dem neuen GPS-gesteuerten System WanderWalter hat der Rems-Murr-Kreis ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht. Mit WanderWalter kann jetzt satellitengestützt am Limes geradelt und gewandert werden. Hierzu wurden im Bereich des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald alle Daten und Infos zum Limesrad- und –wanderweg eingepflegt. Über unsere Internetseite kann der WanderWalter auf GPS-fähige Taschencomputer heruntergeladen werden.
Auf dem vorgesehenen Masterplan unter der Überschrift „Limes – Weltkultur für alle“ steht auch eine enge Kooperation mit den Limesstandorten in Lorch, Schwäbisch Gmünd und Aalen im benachbarten Ostalbkreis. Aalen hat mit dem Reiterkastell eine der größten Militäranlagen entlang des Limes zu bieten.
Weitere Informationen befinden sich im Internet unter
www.schwaebischerwald.com
www.rems-murr-kreis.de.