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Leben auf Sparflamme – Wie Tiere im Winterschlaf die kalte Jahreszeit überstehen


Einigermaßen überraschend und schnell hat der Winter bei uns Einzug gehalten.

Wie überleben eigentlich die Tiere in der freien Wildbahn diesen Winter ohne Haus, Heizung und Faserpelz?

 

Strategie für schlechte Zeiten

Winterschlaf ist eine faszinierende Strategie, um strenger Witterung und Nahrungsknappheit zu entgehen.

Anstatt wie die Zugvögel abzuwandern, Futter zu deponieren oder sich ein dickes Fell anzulegen, verschlafen Winterschläfer einfach die kalte Jahreszeit und setzen alle Lebensfunktionen auf Sparflamme.

 

Unterschieden werden Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre.

 

Echte Winterschläfer sind z.B. Fledermäuse, Siebenschläfer, Hamster und Murmeltiere. Sie senken ihre Körpertemperatur und alle Körperfunktionen drastisch ab.

Winterruhe ohne Absenkung der Körpertemperatur halten Dachs, Eichhörnchen, Waschbär und Braunbär.

Kleine Tiere mit hohem Stoffwechsel schieben bei Kälte und Nahrungsknappheit kurzfristige Schlafphasen ein, wie Mauersegler, Kolibris, Ziegenmelker, Meisen, Spitzmäuse oder Fledermäuse im Sommer.

In Winterstarre fallen Amphibien und Reptilien. Ihr Körper passt sich der Umgebungstemperatur an - sie fallen in Kältestarre und können selbst aktiv nichts für ihren Wärmehaushalt tun.

 

Kurze Tage machen schläfrig

Wie Winterschläfer schlafen gehen, ist nicht eindeutig geklärt. Den Impuls zum Schlafen geben nicht herbstliche Temperaturen oder Nahrungsmangel. Vielmehr spielen der Jahresrhythmus, die "innere Uhr", hormonelle Umstellungen und die Tageslänge eine Rolle. Letztere beeinflusst die Bildung von Fettdepots und diese wiederum die Schlafbereitschaft. Winterschlaf ist kein Tiefschlaf von Oktober bis März, er verläuft in Abschnitten. Meistens wechseln sich Ruhephasen ab mit kurzen Wachphasen, in denen die Tiere aktiv sind. Sie geben mitunter Kot und Urin ab oder wechseln den Schlafplatz. Winterruher sind häufig wach und wechseln die Schlafposition, Winterschläfer haben tage- bis wochenlange Schlafperioden.

 

Sprichwörtliche Winterschläfer sind die Murmeltiere, sie legen keine Nahrungsdepots an und gehen mangels geeigneter Nahrung bereits im Oktober zu Bett. In ihren unterirdischen Höhlen verbringen sie 90 % des Lebens, damit 6 Monate schlafend. Wenn draußen bei minus 5 °C der Wind über die Almwiesen pfeift, hat es im Winterbau in über 2 Metern Tiefe kuschelige 5 - 10 °C. Dazu werden alljährlich neu bis 15 kg Gras als Polstermaterial angetragen. Zusätzlich brauchen Murmeltiere Fettreserven. Im September haben 5 kg schwere Tiere 1 kg Depotfett angelegt. Über den Winter zehren sie 30 - 50 % ihres Körpergewichtes auf. Murmeltiere halten sozialen Winterschlaf: Pro Bau ruhen bis zu 20 Tiere und wärmen sich. Das erhöht die Überlebenschancen der Jungen, deren Sterblichkeit im ersten Winter wegen geringer Reserven und höherem Wärmeverlust am größten ist. Da Winterschläfer unbeweglich sind, verschließen Murmeltiere Winterbaue mit einem Langen Zapfen aus Erde, Steinen und Polstermaterial. Früher wurden die hilflos schlummernden Murmeltiere ausgegraben, um Fleisch und Öl gegen Gicht und Rheuma zu gewinnen.